Disponentin prüft die Kosten einer Rückladung

Was die Rückladung wirklich kostet.

Heute Morgen hat Ihnen das System eine Rückladung vorgeschlagen. Ladestelle eine gute Stunde hinter der Entladung, Ladeschluss am Nachmittag, Preis im Rahmen, Lkw frei. Auf dem Bildschirm sieht das aus wie ein gelöstes Problem. Ob das so ist, entscheidet sich woanders.

Die Programme, die so etwas vorschlagen, können tatsächlich etwas. Sie lesen alle offenen Aufträge in Sekunden, finden Anschlusstouren, die kein Disponent zwischen zwei Telefonaten gesehen hätte, und merken sich, welcher Kunde früher passende Rückfracht hatte. Der Markt spielt ihnen gerade zu: Im ersten Quartal 2026 standen in einer der großen Frachtenbörsen europaweit 41 Prozent mehr Ladungen als ein Jahr zuvor, die gemeldeten Lkw-Kapazitäten gingen um sieben Prozent zurück. Mehr Ladung, weniger Lkw — leichter war Rückfracht selten zu finden.

Eine Zahl, die stillhält

Das Bundesamt für Logistik und Mobilität rechnet jedes Jahr nach, wie viele Fahrten deutscher Lkw ohne Ladung stattfinden. 2016 waren es 37,0 Prozent. 2024 waren es 37,6 Prozent. Dazwischen liegen Frachtenbörsen auf dem Handy, Telematik im Fahrerhaus, Tourenplanung aus der Cloud und zuletzt die künstliche Intelligenz. Die Zahl hat davon wenig mitbekommen.

In Kilometern sieht es nicht besser aus. Knapp 6,4 Milliarden Kilometer sind deutsche Lkw 2024 leer gefahren, rund 23 Prozent ihrer gesamten Strecke. Im grenzüberschreitenden Verkehr lag der Anteil der Leerfahrten bei 30,4 Prozent, so hoch wie seit 2016 nicht. Im Fernbereich ist er sogar gestiegen, von 13,8 auf 15,2 Prozent.

Ein Teil davon ist Geografie

Fairerweise: Nicht jede Leerfahrt ist ein Planungsfehler. Vom Hof zur ersten Ladestelle fährt jeder Lkw leer, und am Abend wieder zurück. Im Nahbereich ist deshalb fast jede zweite Fahrt eine Leerfahrt, 43,5 Prozent, und daran wird sich wenig ändern. Wo nichts zurückgeht, findet auch der beste Algorithmus nichts. Manche Fahrzeuge können ohnehin nicht anders. Der Bundesverband Güterkraftverkehr hat das einmal sehr anschaulich gemacht: In einem Milchtankwagen fährt kein Superbenzin nach Hause. Kipper, Silo, Baustelle — dort gehört die Leerfahrt zum Geschäft.

Was der Vorschlag nicht weiß

Bleibt der Rest, und dort wird es interessant. Der Vorschlag kennt Postleitzahl, Gewicht, Preis und einen freien Lkw. Er kennt nicht die Lenkzeit, die Ihrem Fahrer nach der Entladung noch bleibt. Nicht den Stau vor dem Kreuz, während die Rampe um 14 Uhr schließt. Nicht den Auflieger, der für diese Ware der falsche ist.

Die Ladung war also da. Sie stand in der Börse, und die Software hat sie gefunden. Gefahren wurde sie trotzdem nicht, weil sie in diesen Tag nicht gepasst hat. An Ladungen fehlt es dem Markt nicht. Was fehlt, sind Stunden auf der Fahrerkarte, das passende Fahrzeug und eine Rampe, die noch offen hat.

Wer den leeren Kilometer bezahlt

Teuer wird das für Sie, nicht für Ihren Kunden. Seit dem CO₂-Aufschlag auf die Maut im Dezember 2023 konnten Transportunternehmen die höhere Maut für beladene Kilometer fast vollständig an die Verlader weitergeben. Bei den Leerkilometern war das nach Angaben des Bundesamts wesentlich schwieriger. Die Maut fällt auf jeden Kilometer an, erstattet wird sie vor allem auf denen mit Ladung. Den Rest trägt Ihre Marge.

Ob die KI eine Rückladung findet, ist deshalb längst beantwortet. Sie findet sie. Offen ist, ob diese Rückladung in den Tag Ihres Fahrers passt — und wer das prüft, bevor zugesagt ist.

Fazit

Die KI unterstützt die Disposition gut, und sie ist dabei schneller als jede Suche von Hand. Prüfen kann sie aber nur, was sie weiß. Was über den Tag Ihres Fahrers entscheidet, steht nicht in der Börse, sondern im Fahrzeug: die Restlenkzeit und der Standort des Lkw. Diese Telematikdaten gehören in die Disposition. Erst wenn sie dort ankommen, plant die Software mit dem Lkw, der tatsächlich auf der Straße steht, und aus dem Vorschlag wird eine Tour, die sich fahren lässt. Liegen alle Daten vor, rechnet die KI vor der Zusage die ganze Tour durch: die Anfahrt zur Ladestelle, die Fahrt mit der Ladung und, mit Blick auf den Zeitplan, auch den Weg von der Entladestelle zurück auf den Hof. Kilometer, Zeit, Maut samt CO₂-Aufschlag und Fahrerkosten, für jeden Abschnitt einzeln. Dann stehen die ermittelten Kosten für die Leerkilometer nicht erst auf der Abrechnung, sondern direkt auf Ihrem Bildschirm. Das alles läuft im Hintergrund, und anhand dieser Zahlen entscheiden Sie, ob sich die Rückladung wirklich rechnet — oder ob über den Preis noch einmal gesprochen werden muss. Denn oft sind es die versteckten Kosten, die eine Kalkulation ein gutes Stück verfälschen.

Noch ist das Zukunftsmusik. So gut es sich liest, von diesem Szenario sind wir noch ein Stück entfernt. Und es hat eine Kehrseite: Wer jede Tour bis auf den letzten Kilometer durchgerechnet vor sich hat, muss erst einmal sortieren, was davon zählt. Die Gefahr, dass die Disposition in Daten ertrinkt, ist real. Nur: Wer im Bilde ist und mehr weiß, verhandelt besser.

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