Der Fahrermangel beginnt an Ihrer Eingangstür
Drei Minuten sind eine lange Zeit, wenn man in einem fremden Empfang steht und niemand aufschaut.
Ich habe sie vergangene Woche abgewartet, diese drei Minuten. Drei Leute am Schreibtisch, Telefon, Bildschirm, Kaffee. Kein Blick, kein “Ich bin gleich bei Ihnen”, nichts. Nach drei Minuten bin ich wieder gegangen. Gemerkt hat es niemand.
Ich nenne den Betrieb nicht. Nicht aus Rücksicht, sondern weil Sie den Namen nicht brauchen. Sie kennen diesen Betrieb. Vielleicht ist es ja Ihrer.
In derselben Woche zwei Meldungen: Niedersachsen wirbt Busfahrer in Südafrika an, weil 20.000 fehlen. Und Trans.INFO schreibt, dass Recruiting allein den europäischen Fahrermangel nicht lösen wird. Beides stimmt. Beides beschreibt dasselbe Problem von der bequemen Seite.
Denn der Fahrer, den Sie suchen, stand vielleicht gerade in Ihrem Empfang.
Ich schreibe das nicht als Berater, sondern als stiller Beobachter. Ich fahre selbst. Ich bin der externe Fahrer, den Sie buchen, wenn bei Ihnen jemand ausfällt. Das heißt: Ich stehe an Ihrer Rampe. Ich suche Ihr Büro. Nicht “irgendjemand”. Ich.
Deshalb weiß ich nach zwei Minuten, wie bei Ihnen mit Menschen umgegangen wird, die nicht auf Ihrer Gehaltsliste stehen. Das ist keine Studie und keine Branchenerhebung. Das ist die Erfahrung von jemandem, der genau die Tür benutzt, die Sie auch Ihren Bewerbern zumuten.
Das Unangenehme daran ist nicht, dass eine Änderung teuer wäre. Das Unangenehme ist, dass sie nichts kostet. Aufschauen kostet nichts. “Moment, ich hole jemanden” kostet nichts. Eine offene Toilette kostet fast nichts. Es gibt keinen Tarifvertrag, keine Dieselpreisentwicklung und keine Mautreform, auf die man das schieben könnte.
Und dort, wo es tatsächlich etwas kostet, wird es nicht besser. Ein Angebot aus dieser Woche: 250 Euro Tagespauschale, fünfzehn Stunden Schicht. Einmal gehört – einmal reicht.
Rechnen Sie selbst. Es sind 16,67 Euro die Stunde.
Trotzdem wird ein solches Angebot im Jahr 2026 noch gemacht. Mitten in einer Wirtschaftskrise, mitten in einem Fahrermangel, über den dieselbe Branche seit Jahren klagt. Wer so sucht, sucht nicht wirklich – er hofft darauf, dass jeden Morgen einer aufsteht…
Und ja, die Kosten sind real. Maut, Diesel, Versicherung, Leasing – das ist durch die Decke gegangen, und niemand mit einem Fuhrpark hat es sich in den letzten Jahren leicht gemacht.
Nur ändert das nichts an der Reihenfolge. Ein Lkw ohne Fahrer ist kein günstiger Lkw. Er ist ein Lkw, der steht. Das Leasing läuft weiter, die Versicherung läuft weiter, der Kunde wartet nicht. Der Fahrer ist nicht der Posten, an dem man spart. Er ist der Posten, der alle anderen überhaupt erst bezahlt.
Wenn Sie wissen wollen, wie es um Ihren Betrieb steht, brauchen Sie keine Analyse und keine Beratung. Gehen Sie einmal selbst durch Ihre eigene Eingangstür, so wie ein Fremder es täte, und zählen Sie mit. Zehn Sekunden sind gut. Dreißig sind vertretbar. Drei Minuten sind keine Panne, sondern eine Antwort.
